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Lyrik Seele & Humor

Lyrikrezitation  zur Ausstellung Seele am 5. und 6.11.2011.





Format DIN A2
Humor ist wahre Medizin für die Seele. Er lenkt uns von den Sorgen des Alltags ab. Lässt uns den Stress vergessen. Jeder Mensch sollte wenigstens einmal am Tag Lachen oder wenigstens dazu in der Lage sein. Das wäre für mich ein Grundrecht.

Schon in der Antike war die heilende Kraft des Lachens bekannt. Damals war es üblich, Tragödienfestspiele abzuhalten. Sie wurden als erzieherisch angesehen. Die Athener glaubten so sehr an die heilsame Wirkung durch Trauer und Lachen, dass sie jedem Bürger das Recht auf eine Münze aus der Staatskasse zusprachen, damit er ins Theater gehen konnte. Das wäre doch mal eine Vorlage für den Bundestag. Mit Freuden würde ich mir den Obolus vom hiesigen Finanzamt abholen.

Die Theaterstücke auf den Tragödienfestspielen hatten grundsätzlich einen tragischen Ausgang. Schlachten gingen verloren, Menschen starben und Liebesbeziehungen zerbrachen. Die Zuschauer weinten damals lauthals auf den Tribünen. Dies bezeichnete man als Katharsis und wurde als ein heilsamer Moment betrachtet. Doch immer nach drei Tragödien wurde ein Satyrspiel aufgeführt. Das waren dann lustige, teils alberne Slapstick Stücke, die die Zuschauer heftig zum Lachen brachten. Hatten sie vorher noch aufs heftigste geweint, entluden sich jetzt ihre Emotionen in gewaltigen Lachanfällen.

Auch bei den Tibetern gilt Lachen als eine besondere spirituelle Qualität. Man erzählt dort Geschichten von Erleuchteten, die mit Späßen, Streichen und sonstigem sonderbaren Verhalten versuchen, die Menschen aufzuwecken. Ein Erleuchteter, der nicht bierernst meditiert, sondern lustig ist. Das wäre mal ein schöner Vorschlag für die Kirchen. Ich erinnere mich da an meine Zeit als Messdiener. Damals noch ein strenges und ungeliebtes Amt. Doch immer, wenn Pater Kunibert unseren Pastor vertrat, war es heiß begehrt. Das begann mit einem Witz beim Stufengebet und anderen unbemerkbaren Streichen. Er war ein Junggebliebener und hatte unsere Verehrung. Es hat niemanden geschadet und sein Gott hatte sicher auch seine Freude daran.

Wir erleben oft Situationen in unserem Leben, die alles andere als zum Lachen sind. Menschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat, verlieren ihr Lachen und werden ernst. Wer seinen Humor verloren hat, der hat etwas sehr Wichtiges für sich verloren. Wir sagen dann oft, er ist eine arme Seele.

Humor hat sich über Jahrtausende kaum geändert, so wie die Torte im Gesicht. Der Humor hat sich aber auch den Geschichten angepasst. Von den Geschichten, die die Griechen bewegten bis in die Filme der Neuzeit. Über Tanz der Vampire bis zum fünften Element. Und selbst in Krieg der Sterne darf Humor nicht fehlen. Noch immer nutzen wir Humor, bewusst oder unbewusst, für unser Heil. Aber auch in der Lyrik war und ist Humor ein zentrales Element. In dem Buch „Hell und Schnell“ von Robert Gernhard und Klaus Cäsar Zehrer, werden 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten vorgestellt.

In diesem Buch finden sich Gedichte von Goethe, Hölderlin, Heine, Morgenstern, und viele andere. Wie gerne hätte ich in meiner Schulzeit mal ein lustiges Gedicht auswendig gelernt. Doch damals waren eher Gedichte wie „Frühling“ von Eduard Mörike, „der Schimmelreiter“ von Theodor Storm oder „Das Lied von der Glocke“ von Friedrich Schiller angesagt. Wie könnte heute doch ein Lehrer bei seinen Schülern punkten, würde er stattdessen Erich Kästners „Der letzte Mohikaner“ besprechen. Doch ich habe den traurigen Eindruck, dass die Schule ein gedichtloser Ort geworden ist.


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Stand: 09.06.14