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Einleitung Kein Mensch liest mehr Gedichte. So oder so ähnlich hört man Literaten immer wieder klagen. Und wie Recht sie doch haben. In meinen jährlichen Bilder-Ausstellungen gestalte ich immer auch eine Lyrikstunde unter dem provokanten Titel „Ach, wer liest heut noch Gedichte“. Ein Roman kann in der Regel mit einer gewissen Leserschaft rechnen und auf den Sprung in die Bestseller-Listen hoffen. Das Drama liebäugelt allemal mit dem Theater und setzt dabei auf die Neugier der Zuschauer. Nur für die Lyrik muss immer wieder die Trommel gerührt werden, und da ist das Thema "Liebe", dem wir uns heute zuwenden wollen, unübertrefflich. Denn wo, wenn nicht in der Lyrik, findet die Liebe seit jeher ihren zugleich spontansten und kunstvollsten Ausdruck. Im Gegensatz zum Roman, in dem durch verschiedene Mittel die Gefühle des Autors verdeutlicht und verinnerlicht werden, wurden in der Lyrik schon immer im Spiel der Verweise und dem bewussten Bruch formaler Regeln größere Zusammenhänge zu einem Mehr an Erkenntnis verwoben. Die Lyrik ist in der Tat in der Krise. Der Markt schrumpft und kleine feine Verlage haben erhebliche Finanznöte. Warum werden Gedichte eigentlich nie zu Bestsellern? Dabei ist die Verdichtung von Sprache zur Kunst eine der ältesten kulturellen Leistungen der Zivilisation. Es nutzen uns keine Lehrstühle für Lyrik an den Hochschulen und keine Vorlesungen über die Konstruktion von Versen. Ich halte es da eher mit Robby Williams, der in dem Film „Der Club der toten Dichter“ als Lehrer seine Schüler auffordert, das Kapitel über die Messbarkeit von Versen einfach aus ihrem Lehrbuch heraus zu reißen. |
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Meistens arbeiten alle Formen der Lyrik sehr viel mit der
Wiederholung und mit Bildern als rhetorischen Mittel. In der
traditionellen Art der Lyrik benutzten die Autoren die
Stilmittel des Reims, der Strophen, des Rhythmusses und des
Metrums. Die Arten und Inhalte haben sich auch in der
traditionellen Lyrik mit der Zeit geändert und es haben sich
einzelne Epochen herausgebildet. Grob unterscheidet man heute
zwischen der traditionellen und der modernen Lyrik. Doch dies ist kein Vortrag über Lyrik. Vielmehr wollen wir einige meiner Werke zur Liebeslyrik betrachten. Liebe und Partnerschaft berührt jeden von uns, ist quasi die Oper des kleinen Mannes. Jeder spielt da irgendwo mit, es geht nah und man ist tief berührt, verletzt und gekränkt, verlassen und verliebt. Es geht direkt auf Herz, so dass der Verstand manchmal gar nicht hinterherkommt. Meine Lyrik hält sich an den Sprachgebrauch des Alltags. Nach meiner Meinung sollte heute Lyrik möglichst jeden erreichen und alltagstauglich sein. Ich habe jeweils drei Werke nach folgenden Ausprägungen zusammengestellt: Sie finden diese auf den lyrischen Blättern hier in der Ausstellung. Nach vielem Hin und Her bei der Auswahl – was sind denn jetzt die richtigen Verse – glaube ich eine gute Auswahl für diese Ausstellung gefunden zu haben. |
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Abschlussworte Wer nun Angst hat, dass sein ganzes (Liebes)Leben von Neurotransmittern und Pheromonen bestimmt sei, mag sich entspannen. Aus Sicht der spirituellen Philosophie gibt es gar keinen Zufall, stattdessen fällt einem gesetzmäßig zu, wozu man sich reif gemacht hat und wofür man reif geworden ist. Dahinter steckt das Gesetz der Resonanz. Es gibt also durchaus ein größeres und höheres Gesetz, und wir sind keineswegs Marionetten unserer eigenen Biochemie. Solche Forschung ist wichtig und erhellend, aber sie findet auch ihre Grenzen an den großen Zusammenhängen des Lebens. Und dass die Ekstase der Liebe so ziemlich alle Wunden heilen kann, ist längst bekannt; dass sie dabei auf die biochemischen Botenstoffen zurückgreift, ist nur natürlich. |
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Irgendwann – so ist zu vermuten - wird dieser bezaubernde Cocktail gerade entdeckter Neurotransmitter sicher aus dem Labor der Wissenschaftler entweichen – wie noch alles andere bisher auch – und seinen Weg auf den freien Markt finden. Wer dann einen Schluck aus dem entsprechenden Liebesfläschchen nimmt, wird wohl sehr offen dafür sein, sich unsterblich zu verlieben. Ob es allerdings völlig gleichgültig sein wird, wen man dann gerade als ersten zu sehen und zu fassen bekommt, muss sich zeigen. Die Liebe über diesen Weg zu zwingen ist ja ein alter Traum der Hexenmedizin. Zum Abschluss bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und würde gerne, bevor wir eine Begehung meiner Bilder beginnen, noch ein wenig mit Ihnen über die Lyrik – und die Liebeslyrik im Besonderen – diskutieren. Herzlichen Dank |